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aktualisiert am:
29.07
.2010




Hinter den Kulissen - lustige Geschichten aus dem Leben der Meister

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Wer siegt?
Bei einem englischen Turnier geriet der damalige Weltmeister Aljechin durch ein zu riskantes Spiel gegen seinen Gegner in eine sehr fatale Lage. Aljechin gelang es trotzdem mit viel Glück, sich bis zum Abbruch zu retten. Voller Stolz zeigte sein Gegner dann in der Mittagspause die Abbruchstellung Dr. Tartakower und fragte diesen dann nach einigen Erläuterungen: “Also, was denken Sie, wer gewinnt die Partie?” Dr. Tartakower antwortete trocken: “Aljechin.” “Aber wieso denn? Ich habe doch die viel bessere Stellung!”, rief Aljechins Gegner entsetzt. Dr. Tartakower klärte ihn auf: “Ja, aber Sie haben mich ja nicht gefragt, wer die bessere Stellung hat, sondern wer die Partie gewinnt.” und verschwand daraufhin. Tatsächlich konnte Aljechin die Partie letztendlich für sich entscheiden.

Gewinnplan
Dr. Siegbert Tarrasch lehnte Sekundanten ab. Als man ihm nach einer schwierigen Hängepartie zum Sieg gratulieren wollte, bekannte er allerdings offen: "Ich habe nur durch fremde Hilfe gewonnen. Als ich über der Partie brütete, schrie nebenan im Hotelzimmer ein Baby ständig "Aaaa!" Ich folgte dem Rat und entdeckte den Gewinn auf der A-Linie."

Fischers Autogramm
Bei den Mannschaftsweltmeisterschaften 1962 in Warna wandte sich eine Autogrammsammlerin zuerst an  Fischer. Mit seiner Unterschrift beschrieb er die ganze Seite. Als Fischer gefragt wurde, wo denn noch Platz für die anderen  Namen sei, antwortete er: "Die anderen sind Quatsch."
Gedächtniskünstler
Harry Nelson Pillsbury konnte in seiner nur zwölf Jahre andauernden Schachkarriere
um die Jahrhundertwende auf einmalige Leistungen zurückblicken. Neben
beeindruckenden Turnier- und Matcherfolgen ragten seine phänomenalen
Gedächtnisleistungen heraus: Während eines Ruhetages im internationalen Turnier von Hannover (1902) gab er eine Blindsimultanvorstellung gegen 21 Spieler von Meisterstärke, die sich zudem noch beraten und auf dem Brett analysieren durften. Unter diesen Bedingungen hatte bis dahin kein Schachmeister gewagt, eine Simultanvorstellung zu geben. Nach fast 12stündigem Kampf mit sich und den Gegnern hatte Pillsbury mit +3-7=11 seine Prüfung hervorragend bestanden. Bei einem weiteren Auftritt spielte er gleichzeitig zwölf Schach- und sechs Damepartien sowie eine Whistrunde. Als diese Vorstellung zwei Stunden lief, forderte er seine Gegner auf, je 30 beliebige, aber schwierige Wörter aufzuschreiben, die er während der Vorstellung "en passant" auswendig lernte und am Ende wunschgemäß vor- oder rückwärts aufsagte.
Remisangebot
1953 sollte zwischen Najdorf und Boleslawski während ihrer Turnierpartie in Zürich folgende Unterhaltung stattgefunden haben.
Najdorf: “Remis?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf nach einiger Zeit nachdenklich: “Spielen Sie auf Gewinn?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf sofort: "Also doch Remis?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf: ”Spielen Sie auf Verlust?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf verwirrt: “Ja, was wollen Sie denn?”
Boleslawski: ”Spielen!”

Matt dem Großmeister
Während einer der vielen Simultanvorstellungen, die Alexander Aljechin in Argentinien gab, rief einer seiner Gegner voller Freude: "Großmeister, Sie sind in drei Zügen matt!" - "Regen Sie sich nicht auf", antwortete Aljechin aber trocken. "Vorher werde ich Sie in zwei Zügen mattsetzen."

Unbekannt
Als Nimzowitsch einmal in Israel war, besuchte er dort den Lasker-Schachclub. Allerdings verriet er seine wahre Identität nicht. Nachdem reihenweise alle Spieler gegen ihn verloren hatten, meinte einer: "Sie sind ein sehr starker Spieler, Ihr Spielstil erinnert mich an Nimzowitsch."

Schönschrift
Hugh Alexander sagte einmal Folgendes über Michail Botwinnik:
"Wenn man gegen Botwinnik spielt, ist es schon alarmierend, wenn man sieht, wie er seinen Zug aufschreibt. Etwas kurzsichtig beugt er sich über sein Formular und widmet seine ganze Aufmerksamkeit der schönen und exakten Niederschrift seines Zuges. Selbst eine Explosion würde ihn jetzt nicht erschüttern und durch ein Mikroskop betrachtet würde man nicht eine Unregelmäßigkeit entdecken. Als er gegen mich 1.c2-c4 aufschrieb, fühlte ich mich, als müsse ich aufgeben!"

Weltmeister Fischer

"Wie ich Weltmeister wurde" - Unter diesem Titel wollte Fischer bereits 1963 ein Buch herausgeben. Er war felsenfest davon überzeugt, besser als der damals amtierende Weltmeister Botwinnik zu sein. 

Fischer steht schlecht
Fischer schreitet mit einem sehr nachdenklichen Gesicht durch den Turniersaal. "Was ist passiert?", fragt Lombardy. "Ich stehe schlecht", antwortet Fischer. Lombardy: "Biete doch einfach Remis an." Fischer: "So schlecht stehe ich nun auch wieder nicht!"

J'adoube!
Dem peruanischen Meister Esteban Canal passierte einst in einer vollbesetzten Straßenbahn das Missgeschick, eine neben ihm stehende Dame anzurempeln. In Gedanken weilte er wohl noch bei seiner letzten Schachpartie, denn unbewusst entfuhr ihm ein entschuldigendes "J'adoube". Er war sehr erstaunt, als er zu hören bekam: "Ah, sie sind Schachspieler! Dann sollten sie wissen, dass man "J'adoube" vorher sagen muss!"

Remis

Auf der Schacholympiade 1962 in Varna kam es in der Partie zwischen Fischer und Uhlmann nach 19 Zügen zu folgendem Dialog: Fischer: "Remis!" Uhlmann: "Es muss doch dreimal Zugwiederholung sein!" Fischer: "Sie nehmen das Remis an, wie ich es sage, sonst spiele ich weiter und werde Sie dann schlagen." Uhlmann nahm es nicht tragisch und akzeptierte das Remis.

Nach dem Sieg

Ein bekannter Großmeister-Kollege traf Fischer nach dem Match gegen Taimanov in Vancouver, das der Amerikaner sensationell mit 6-0 für sich entschieden hatte. "Was hältst du von Taimanovs Spiel?", fragte er Fischer. Dieser antwortete boshaft: "Ich glaube, er spielt ganz gut Klavier!"

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